26. März 2020 | Aktuelles

5 Jahre Krieg: Der Jemen stirbt still

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Meine Pressemitteilung vom 26. März 2020 zum fünften Jahrestag der Offensive der von Saudi-Arabien geführten Anti-Houthi-Koalition im Jemen:

Vor fünf Jahren begann die von Saudi-Arabien geführte Anti-Houthi-Koalition ihre Luftangriffe im Jemen. Heute sieht die Situation dort düster aus: Die Vereinten Nationen (VN) sprechen von der größten humanitären Katastrophe weltweit, Friedensbemühungen blieben erfolglos und Mitte Januar brachen in einigen nördlichen Provinzen schwere Kämpfe zwischen den Houthis und der Koalition um Präsident Abd Rabu Mansur Hadi aus. Doch davon bekommen wir derzeit kaum etwas mit.

In Zeiten der Corona-Pandemie erhält der Jemenkrieg noch weniger Aufmerksamkeit als ohnehin schon. Das ist beschämend. Denn so schwierig uns unsere derzeitige Situation in Europa auch vorkommen mag, die Menschen im Jemen können von unseren Problemen nur träumen. Laut den VN sind etwa zwei Drittel der jemenitischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. Circa 20 Millionen von ihnen fehlt Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung und etwa die Hälfte aller medizinischen Einrichtungen ist nicht funktionsfähig. Die Weltgesundheitsorganisation und ihre Partner haben seit Beginn des Krieges 142 Angriffe auf Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen dokumentiert. Zuletzt wurde am 13. März ein Krankenhaus in Taiz bombardiert. Auch die Houthis und andere bewaffnete Gruppen haben zum Kollaps des jemenitischen Gesundheitssystems beigetragen, indem sie medizinische Einrichtungen besetzten, sie plünderten und medizinisches Personal bedrohten.

Man kann nur erahnen, was passieren wird, wenn sich in dieser dramatischen Lage neben Cholera und Diphterie nun auch noch das Coronavirus ausbreitet. Dass es bislang keine Zahlen über Infizierte gibt, liegt vor allem daran, dass im Jemen so gut wie keine Testmöglichkeiten vorhanden sind. Heiko Maas hatte den Jemen einst zu einem Schwerpunkthema für die deutsche Mitgliedschaft im VN-Sicherheitsrat erklärt. Die Bilanz davon ist jedoch ernüchternd. Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung jetzt alles nur Erdenkliche unternimmt, um das jemenitische Gesundheitssystem gegen die rasant anrollende Pandemiewelle zu wappnen. Dazu muss sie auch Druck auf Saudi-Arabien ausüben, dass die von der Koalition verhängte Blockade schnellstmöglich gelockert wird, um die Einfuhr jetzt akut benötigter medizinischer Produkte zu beschleunigen. Außerdem muss die Bundesregierung endlich das gegen Saudi-Arabien verhängte Rüstungsexportverbot, wie stets versprochen, auch auf die anderen am Konflikt beteiligten Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten ausweiten.