Irak: Ein wichtiger Besuch zur richtigen Zeit

Meine Pressemitteilung vom 04.03. zur Reise von Papst Franziskus am Freitag in den Irak.

Der Besuch des Papstes im Irak ist historisch. Zum ersten Mal überhaupt besucht ein Oberhaupt der katholischen Kirche den heutigen Irak. Mit der Stadt Ur befindet sich dort die Geburtsstädte Abrahams und damit des Stammvaters von Christ*innen, Muslim*innen und Jüd*innen. Der Besuch hat daher große Symbolik und setzt ein starkes Zeichen für die Notwendigkeit von Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Religionen. Gleichzeitig wird durch den Besuch auch die Aufmerksamkeit auf die Lage der Christ*innen im Irak gelenkt. Dass von den ca. 1,5 Millionen 2003 noch im Irak lebenden Christ*innen heute nur noch schätzungsweise 200.000 – 400.000 dort leben ist bitter. Gewalt durch sunnitische und schiitische Extremist*innen ist der Hauptgrund für diese Entwicklung. Insbesondere die massenhafte Ermordung von Christ*innen, Jesid*innen und Muslim*innen durch den IS wird das Zusammenleben im Irak noch lange beeinflussen.

Leider wird Religion insbesondere in der MENA-Region auch kontinuierlich von autokratischen Herrschern für ihre machtpolitischen Zwecke instrumentalisiert. Umso wichtiger ist es daher, in den Bevölkerungen aller Länder ein ganz grundsätzliches Verständnis von Toleranz gegenüber anderen Religionen zu fördern. So kann machtpolitische Instrumentalisierung erschwert werden. Auch dazu kann dieser Papstbesuch beitragen.

Ein Höhepunkt ist das geplante Treffen des Papstes mit dem 90-jährigen irakischen Großayatollah Ali Al-Sistani in Nadschaf. Der zurückgezogen lebende Al-Sistani gehört nicht nur zu den höchsten schiitischen Autoritäten überhaupt. Er verfügt auch über die derzeit wohl höchste moralische Autorität im Irak. Als im Herbst 2019 irakische Sicherheitskräfte regierungskritische Demonstrationen blutig niederschlugen, war es Al-Sistani, der die Sicherheitskräfte und andere involvierte Milizen dafür deutlich kritisierte. Angesichts des von Korruption und Vetternwirtschaft durchsetzten und auf religiöse und ethnische Spaltung basierenden politischen Systems des Irak ist seine Autorität heute wichtiger denn je. Das Treffen Al-Sistanis mit dem Papst ist daher vor allem für den Irak ein bedeutendes Symbol für religiöse Toleranz und für religionsübergreifende Werte, die den Grundstein friedlichen Zusammenlebens bilden.

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